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Buddhismus im Fokus
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Aufwachen für die Erleuchtung

Praxis ist der Weg, die Wolken von unserem Geist zu vertreiben. Es gibt viele Wege der Praxis, die zur Erleuchtung führen können. Auch wenn die Methoden verschieden erscheinen mögen, zeigen sie alle in dieselbe Richtung: Erleuchtung, komplette Befreiung von allem Leiden. Deshalb ist es falsch zu denken, dass eine Praxis besser ist als eine andere, denn die Methoden, die man wählt, sind abhängig vom Charakter des Praktizierenden.

Der 26. Januar ist der Tag der Erleuchtung des Buddhas. Zeremonien werden in Tempeln abgehalten und Menschen kommen zusammen, um diesen Tag zu feiern. Aber was ist der Tag der Erleuchtung und was bedeutet er für uns? Was ist der Weg zur Erleuchtung und wie können wir unseren eigenen Pfad dorthin finden?

Der Morgenstern schien so klar zu scheinen, fast klarer und heller als je zuvor, denn die Augen des Betrachters waren nicht die gleichen wie zuvor. Er stand auf von seinem Sitz unter dem Bodhi-Baum. 6 Jahre lang hatte er alles versucht, um wahres Verstehen zu erreichen. Er hatte keine Angst vor außergewöhnlicher Härte in seiner Praxis und versuchte sein Bestes, all den Schmerz in seinem Körper zu ertragen und geduldig seinen Hunger zu ertragen, um sich vom Leiden des Lebens zu befreien; aber er realisierte, dass er sein Ziel komplett verfehlt hatte. In diesem Moment jedoch, als er schließlich den letzten Faden Haftung gehen ließ, war dort Erleuchtung. Genau wie die Abwesenheit von Dunkelheit Licht ist, war sein Weg zur Erleuchtung komplett als er ihn aufgeben wollte. Nun war er ein Buddha geworden, ein Erwachter.

Dies ist eine Geschichte, die in Indien stattfand, vor mehr als 2,550 Jahren. Aber was bedeutet uns, die wir im 21. Jahrhundert leben, diese Geschichte? Warum feiern wir den Tag der Erleuchtung, wenn die meisten von uns immer noch in diesem brennenden Haus leiden? Was hat es mit uns zu tun? Es ist eine Geschichte, die den Weg zur Erleuchtung für uns alle öffnet. Es gibt Geschichten großer Buddhas, die Erleuchtung erreichten, aber diese ist die einfachste und damit schönste, die uns zeigt, wie wir Erleuchtung erreichen können, wenn wir Ignoranz eliminieren. Erleuchtung ist nichts Besonderes oder gar Geheimes, sondern etwas, das einfach passiert, wenn wir die Wolken von unserem vollkommen reinen Geist wegblasen.

Praxis ist genau dieses Reinigen unseres Geistes von den Wolken. Es gibt verschiedene Wege dies zu tun, die uns zunächst sehr unähnlich erscheinen. Wie auch immer, sie zeigen alle in dieselbe Richtung: Absolute Erleuchtung, komplette Befreiung von allem Leiden. Deshalb ist es absolut falsch zu sagen, dass eine bestimmte Praxis besser ist als eine andere. Der beste Weg der Praxis hängt nur vom Individuum ab und von den Umständen, in denen sich dieses Individuum befindet. Also lassen Sie uns einen Blick auf die unterschiedlichen Methoden der Praxis in der Tradition des Koreanischen Buddhismus werfen.

Volle Verbeugung
Seinen Körper auf den Boden zu senken und eine volle Verbeugung zu machen, ist ein Weg seinen Geist bescheidener zu machen. Die Richtung der Verbeugung muss nicht unbedingt zu einer Buddhastatue sein, denn alles hat Buddhanatur und eigentlich verbeugt man sich also vor seiner eigenen Buddhanatur. Trotzdem ist es von Bedeutung dem Buddha Respekt zu erweisen, der uns den Weg zur Erleuchtung zeigte und unser erster Lehrer war. Also ist es eine Grundregel in Korea, dass man immer, wenn man zum Tempel geht, man zur Haupthalle geht und den Buddha mit 3 Verbeugungen begrüßt. Sie mögen es zu Beginn ein wenig erniedrigend finden, vor allem, wenn sie aus der westlichen Welt kommen. Es mag sich komisch anfühlen und nicht wirklich nötig einer solchen fremdartigen Praxis zu folgen, aber sobald sie dieses Zurückweisen im Geist fühlen, können Sie anfangen, ihr Karma wegzuschmelzen. Schließlich haben sich eine Menge schlechter Karma-Früchte um ihr starkes Ego gebildet und zum Leiden ihrer Selbst und ihrer Umgebung beigetragen.

Es gibt spezielle Verbeugungszeremonien, in denen 108 oder 3000 Verbeugungen zusammen gemacht werden. Diese zielen hauptsächlich darauf ab unser Verhalten zu korrigieren uns und eine Chance zu geben, alles fallen zu lassen, allen Ärger, alle Ängstlichkeit und alles Bereuen herauszulassen. Ein Grund, warum man eine Serie von 108 Verbeugungen braucht, um alle schlechten Handlungen, die man getan hat, loszuwerden, sind die „Sechs Kontaktpunkte“ (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Anfassen und Denken), die durch die Sechs Sinne produziert werden (Augen, Ohren, Nase, Zunge, Körper, Geist) und dies hat sich unendlich durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fortgesetzt (6 x 6 x 3 = 108). Eine Reihe von 3000 Verbeugungen ist lediglich eine ungefähre Zahl anstatt 3240 (108 x 30) und Menschen praktizieren diese Reihe, wenn sie eine tiefergehende Praxis wünschen.

Durch diese intensive körperliche Übung des sich selbst Beschränkens, kann man über vergangene Handlungen nachdenken und neue Schlüsse ziehen und dadurch sich schließlich selbst von den eigenen schweren mentalen Bürden befreien.
Kido (Religiöse Praxis)
Kido bezeichnet den Akt des Wünschens, zu Beten in komplettem Glauben an die Kraft des Buddhas und der Großen Bodhisattvas. Dies ist der Punkt, an dem der Buddhismus mehr wie eine Religion aussieht, auch wenn es genau genommen mehr eine Philosophie oder ein Lebensweg ist. Im Koreanischen Buddhismus jedenfalls, macht man Kido gemeinsam mit vollen Verbeugungen und dem Singen der Namen Buddhas oder der Bodhisattvas. Dieses Konzept ist so bekannt bei Koreanern, dass das Wort eigentlich automatisch die Kombination bezeichnet und es zu einem eigenen Weg macht.
Denn es ist nicht nur Wünschen und Anbetung, es ist auch Selbstkultivierung durch Praxis. Das Wichtige hierbei ist, dass man den Wunsch ohne Sehnen macht. Man führt es zwar mit der Hoffnung aus, dass der Wunsch erfüllt wird, aber man ist nicht enttäuscht, wenn es anders läuft. Einen Wunsch mit einem leeren Geist zu formulieren, ist ein wahres buddhistisches Gebet, und das macht Kido zu einer eigenen Praxis.

Singen
Es gibt drei Arten von Singen: Singen eines Sutras, Singen von Buddha-Namen und das Singen von Mantras. Wenn man Sutras singt, lernt und wiederholt man die Lehren des Buddhas und anderer bekannter Lehrer des Buddhismus. Durch das Singen der Namen der Buddhas oder der Bodhisattvas reinigt man sich selbst und schafft das Reine Land in seinem eigenen Geist. Man kann viele koreanische Buddhisten sehen wie sie die Namen der Buddhas und Bodhisattvas wie oben beschrieben anrufen während Sie tiefe Verbeugungen machen. Mantra-Singen wird praktiziert, da man annimmt, dass dies Segnung bringt und hilft, das Böse zu vernichten, da gesagt wird, dass bestimmte Mantras besondere mystische Kräfte haben. Die Mantras sind ursprünglich Sanskritwörter, aber sie wurden nicht übersetzt, sondern nur transkribiert. Menschen mit absolutem Glauben an die Kraft des Mantras wiederholen es hunderte und tausend Male.

Der tiefe und sich immer wiederholende Klang des Singens hat den Effekt des Beruhigen und Reinigen des Geistes des Praktizierenden. Wenn Praktizierende das Samadhi erreichen, einen Meditationszustand, können sie die Bodhisattvas oder den Buddha sehen, dessen Namen sie singen und so surrele Erlebnisse hervorrufen. Singen ist ein Weg, den Geist zu leeren, alles loszulassen und den Staub der Ignoranz loszuwerden und den Einen Geist zu realisieren.
Sutralesen/ Sutrakopie
Sutras zu lesen, ist auch ein Weg der Praxis und manche Praktizierenden wählen für sich das Lesen ein und desselben Sutras mehrere hundert oder tausend Male in hohem Tempo. Sutrakopie ist das Kopieren jedes einzelnen Zeichens eines Sutra nacheinander in einem meditativen Zustand. Es ist sehr entspannend und hilft, weltliche Gedanken hinter sich zu lassen. In alter Zeit praktizierten die Mönche diese Methode in Kombination mit vollen Verbeugungen. Sie schrieben ein Zeichen und machten eine volle Verbeugung und wiederholten dies bis sie mit dem Kopieren eines ganzen Sutras fertig waren.

Meditation
Es gibt eine Vielzahl von Methoden für Meditation. Im Koreanischen Buddhismus wurde traditionell eine Methode namens Ganhwaseon praktiziert und als bester Weg der Meditation angesehen. Es wurde von allen großen Meistern der Vergangenheit gelehrt. Meditation ist generell dazu da sein wahres Ich, seine Buddhanatur, zu erkennen, indem man seinen Geist leert. „Seon“ ist die koreanische Version von „Zen“ und „Ganhwa“ heißt „durchsehen“.

Hwadu ist ein Satz, der auf den ersten Blick irrational erscheint und der dem Praktizierenden von seinem Lehrer gegeben wird, damit man lernt seinem eigenen rationalen Denken zu misstrauen und sich voll auf das Hwadu zu konzentrieren. Das Hwadu, das am meisten benutzt wird, heißt „Was ist das“. Was ist das, das sieht und fühlt, das morgens aufwacht, drei Mal am Tag isst und nachts schläft? Was ist das, das gerade wie das denkt? Das ist die Buddhanatur, die bereits in uns existiert und nicht mit Worten beschrieben oder gelehrt werden kann. Das ist, warum große Meister ihre Studenten lehrten, sich auf komische Sätze wie „Der Pinienbaum im Hof“ oder „Drei Pfund Hanf“ zu konzentrieren, wenn sie nach der Buddhanatur gefragt wurden. Hwadus sind nur Finger, die auf den Mond zeigen, wie im Lehrsatz “Schau auf den Mond, nicht auf den Finger, der auf ihn zeigt”. Deshalb sind Praktizierende des Ganhwaseon verpflichtet ihr Hwadu die ganze Zeit zu beachten, egal, wo sie sind. Wenn sie schlafen, arbeiten oder essen, sollen sie ihren Geist vollkommen mit dem Hwadu beschäftigen, sodass sie ihr normales Leben führen können ohne von ihrem eigenen Karma abgelenkt zu werden.

Es ist eine Methode, den Praktizierenden in jeder Situation wach zu halten. In neuester Zeit gibt es ein groß gewachsenes Interesse an der originären Form des Buddhismus, die heute noch in südostasiatischen Ländern praktiziert wird. Diese Theravada-Praktiken wurden in Korea eingeführt, deren bedeutendste ist Vissapana. Diese Methode der Meditation ist zu Beginn sehr einfach, weshalb sie sehr populär in Korea geworden ist. Sie ermutigt die Praktizierenden, jeden Moment ihres Lebens sehr bewusst zu erleben und jede Sensation, die sie in ihrem Körper fühlen, jedes Gefühl in ihrem Geist ebenso. Wenn eine Situation auftaucht, beobachten, nicht reagieren und schon wird sie früher oder später verschwinden, da alles in dieser Welt sich ändert. Dies ist sehr effizient, speziell im Kontrollieren der Emotionen, weswegen es oft in der Psychotherapie eingesetzt wird.

Man kann Meditation nach der Form, die sie annimmt, einteilen. Wenn man auf dem Boden sitzt und meditiert, wird dies Sitzmeditation genannt, egal ob man gerade ein Hwadu macht oder Vipassana. Wenn man meditiert, während man geht, ist es Gehmeditation. In Klöstern werden beide Formen praktiziert, um die körperlichen Grenzen beider Methoden zu schonen. Manchmal aber werden die Praktizierenden sogar motiviert, die körperlichen Schmerzen zu ertragen und sie somit zu überwinden. In der koreanischen Tradition gibt es eine spezielle Form der Meditation, die die gesamte Nacht hindurch geht und Yong-maeng-jeong-jin genannt wird. Sie wird hauptsächlich im Winter, dem Tag der Erleuchtung nahe, besonders in der Nacht vor diesem Tag praktiziert. Wenn man Yong-maeng-jeong-jin macht, sitzt man in der Meditationshalle in geraden Reihen ohne Essen und Schlafen bis zum Morgen. Dies soll helfen, die große Willensstärke und die großen Bemühungen des Buddha nachzuempfinden, der alle körperlichen Schwierigkeiten ertragen hat bis er schließlich die Wahrheit des Universums gefunden hatte.

Praxis ist nicht mehr als in jedem Moment zu erwachen und all die Methoden, die wir jetzt kennengelernt haben, sind Mittel um uns auf dem rechten Weg zu halten. Wenn wir ihm folgen, ist es sicher, dass wir unser Ziel erreichen. Nein, Erleuchtung ist nicht zu weit weg, um sie zu erreichen, sie ist direkt hier – aber nur wenn wir es schaffen zu dem Punkt zurückzugehen, wo Denken noch nicht auftaucht. Also lasst uns genau dies tun und uns den Tag der Erleuchtung als unseren neuen Geburtstag feiern. Es ist unser Tag, um die Erleuchtung des Buddhas und die Erleuchtung unserer selbst zu feiern.
Artikel mit freundlicher Genehmigung von
Lotus Lantern des Jogye-Ordens des Koreanischen Buddhismus

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