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Konfuzianismus
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Korea hat immer unter dem Einfluss seines großen Nachbarn China gestanden und das gilt auch für den Konfuzianismus. Obwohl Korea von frühester Zeit an in breitem kulturellen Austausch mit China stand, begann die praktische Umsetzung der konfuzianischen Philosophie erst in der Ära der Drei Königreiche.

In seiner Betonung der diesseitigen Welt und der grundlegenden Bedeutung des Menschen teilt der Konfuzianismus einen gemeinsamen Nenner mit dem antiken Korea. Im Kontakt mit der koreanischen Mentalität hat der Konfuzianismus grundlegende Veränderungen bewirkt und beträchtlichen Einfluss auf das koreanische Volk ausgeübt. Er ist als Bestimmungsgröße der koreanischen Moralvorstellungen, der koreanischen Lebensweise und des koreanischen Rechts nicht wegzudenken.

Das Goguryeo-Reich bezog mannigfaltige Anregungen aus der chinesischen Kultur und der konfuzianischen Philosophie, während es gleichzeitig seine eigenen Sitten und Gebräuche bewahrte. Das Baekje-Reich adaptierte konfuzianische Dogmen im Aufbau von Regierung und Verwaltung und setzte sie in seiner Staatsordnung und seinem Kunst- und Wissenschaftsbetrieb um. Silla übernahm als letztes den Konfuzianismus, obwohl der Geist seines Jugend-Elite-Corps zum Teil konfuzianisches Gedankengut reflektierte. Die Goryeo-Dynastie gründete ihre Staatsethik auf den Buddhismus, obwohl ihr Gründer Wang Geon seine politischen Grundvorstellungen aus dem Konfuzianismus bezog. So bewegen sich seine "Zehn testamentarischen Lehrschriften" durchaus im Rahmen des konfuzianischen Gedankengutes. Wang Geons konfuzianische Prinzipien der bürgerlichen Verwaltung wurden unter Gwangjong, dem vierten König von Goryeo, und Seongjong, dem sechsten König, weiterentwickelt . Besonders Letzterer war ein äußerst konfuzianisch orientierter Herrscher. Er gründete in der Hauptstadt eine Art Staatsuniversität, das "Gukjagam", dessen curriculares Zentrum die konfuzianischen Klassiker bildeten, womit der Grundstein zum intellektuellen Vordringen der konfuzianischen Kultur gelegt war. Seongjong ließ außerdem den Altar Sajikdan erbauen, der den Göttern der Ernte und des nationalen Wohlstands gewidmet war, sowie einen Schrein für seine königlichen Vorfahren. Er reformierte das Bildungswesen und schuf damit eine stabile Grundlage für einen konfuzianischen Staat.

Als Goryeo von der Joseon-Dynastie abgelöst wurde, begann für den koreanischen Konfuzianismus eine neue Ära an. Das Joseon-Regime machte den Konfuzianismus zur Staatsideologie, deren Regierungs- und Verwaltungspraktiken in Büchern wie dem Verwaltungskodex von Joseon ("Joseon Gyeonggukjeon") und dem Kodex der Verwaltung des Staates ("Gyeongguk Daejeon") festgeschrieben wurden.

Daneben gründete Joseon "Seonggyungwan", die staatliche konfuzianische Akademie und die ihr untergeordneten "Hyanggyo", konfuzianische Schulen, die an den konfuzianischen Schreinen gelegen waren und in denen konfuzianische Erziehung mit ihrem spirituellen Fokus auf der Verehrung der Vorfahren praktiziert wurde. In der Regierungszeit König Sejongs (1418-1450) waren alle Bereiche des Bildungswesens fest im fruchtbaren Boden des konfuzianischen Gedankengutes verankert . 1420 gründete Sejong "Jiphyeonjeon", die "Halle der Ehrwürdigen", wo die brilliantesten Gelehrten ihre Studien betreiben und zahlreiche Bücher veröffentlichen konnten.

Die mittlere Joseon-Ära war eine weitere Blütezeit des koreanischen Konfuzianismus. Es wurden sogenannte "Seowon", private Dorfschulen, mit dem Ziel gegründet, der jungen Generation das konfuzianische Gedankengut zu vermitteln. Die erste dieser privaten Schulen war das "Baegundong-Seowon", gegründet von Ju Se-bung im Jahre 1542. Doch erst nachdem Yi Hwang (1501-1570), der als Gelehrter unter seinem Rufnamen Toegye bekannt wurde, staatliche Zustimmung zu seiner Sichtweise der Bedeutung der Akademien erhielt, blühten die "Seowon" auf. Die Joseon-Periode kann als die Hochzeit des Konfuzianismus betrachtet werden. Gelehrsamkeit und Philosophie von Joseon wurden außerordentlich bereichert durch das Auftreten gefeierter Gelehrter. Der Neo-Konfuzianismus der Joseon-Ära erreichte seinen Höhepunkt im 16. Jahrhundert dank der Arbeit der Gelehrten Yi Hwang and Yi Yi (1536-1584, bekannt unter seinem Rufnamen Yulgok). Der koreanische Konfuzianismus brachte die Beschäftigung mit der Sittlichkeitslehre auf und allein die Anzahl der Bücher, die zu diesem Thema verfasst wurden, gibt Anlass, die mittlere Joseon-Ära als das Zeitalter der Sittlichkeitslehre zu bezeichnen.

Die wichtigsten konfuzianischen Zeremonien waren die, die aus Anlass des Eintritts in die Erwachsenenwelt, sowie von Hochzeit, Tod und Jahrestagen des Todes der Vorfahren abgehalten wurden. Dabei hatten Trauerfeiern die größten Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Die Trauerfeier bildete eine Form, die innersten Gefühle zum Ausdruck zu bringen, Ablauf und Atmosphäre hingen ab vom Grad der Vertrautheit oder Förmlichkeit, die die Beziehung zwischen den Lebenden und dem Verstorbenen charakterisierte, so dass Trauerfeiern in ihrer Form äußerst variantenreich waren.

Im Zuge der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Lehren von Joseon auf der Grundlage des Konfuzianismus entstand die Lehre von "Silhak" oder der "Pragmatischen Lehre". Der Konfuzianismus durchdringt das gesamte Bewusstsein des koreanischen Volkes und ist heute in den vielfältigsten Formen vorzufinden, wie z.B. in den folgenden großen Zeremonien, die nach wie vor abgehalten werden: "Jongmyo Jerye", die Ehrung der königlichen Vorfahren am Jongmyo-Schrein und "Seokjeon Daeje" im "Seonggyungwan", eine Gedenkzeremonie zu Ehren des Konfuzius, seiner Schüler und anderer bedeutender chinesischer und koreanischer konfuzianischer Gelehrter.

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