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Betreff   Eine ganz andere Hwang Jin Yi
Eine ganz andere Hwang Jin Yi
Eine Geschichte von Koreas meistgeliebter Gisaeng
hilft die geteilte Nation zusammen zu bringen
Hwang Jin Yi ist wohl der mit am meisten Spannung erwartete Film des Jahres und dies aus gutem Grunde. Basierend auf der Novelle des berühmten nordkoreanischen Schriftstellers Hong Sok-jung, war es für den südkoreanischen Regisseur schon ein monumentales Unterfangen die nötigen Copyrightrechte einzuholen, monumental aber auch für den koreanischen Film und die interkoreanische Annäherung.

Das historische Drama/Liebesgeschichte stellt eine Rückkehr hinter die Kamera dar für den Regisseur Chang Youn-hyun, dessen letzter Film „Some“ im Jahr 2004 gedreht wurde, und es stellt den Sprung auf die große Leinwand dar für die langjährige TV- und Werbekönigin Song Hye-kyo. Der Film verspricht ausserdem eine völlig andere Richtung in der Betrachtung der legendären Hwang Jin yi, einer der dramatischten Figuren der Geschichte. Einige Kritiker erwarten sogar, dass der Film ein ganz neues Genre des koreanischen Films eröffnet, das sogenannte „Neue Historische Drama“.

Der Film wird mit so viel Spannung erwartet, dass es bereits Interesse im Ausland weckt; das Poster alleine kurbelt schon die Verkäufe des Films in Südostasien an.
Hwang Jin Yi, das Gesicht, das die beiden Koreas zusammenbrachte?
Hwang Jin Yi, ist natürlich eine Geschichte über die legendäre koreanische Gisaeng, oder Kurtesane, des gleichen Namens. G i s a e n g, ebenso gebildet und künstlerisch talentiert wie schön und charmant, haben lang die kollektiven Phantasien der Koreaner beflügelt und Hwang Jin Yi war die bei weitem am meisten verehrte (und vielleicht idealisierte) in einer Gruppe von sowieso schon gefeierten Gruppe aussergewöhnlicher Frauen. Diese Unterhalterin/Dichterin/Liebhaberin, die ungefähr zwischen 1520 und 1560 lebte, war besonders bekannt für ihre Schönheit (obwohl manche sagen, dass dies übertrieben worden sei), ihren Charme, ihre Intelligenz, ihre beeindruckende Liste von Liebhabern und natürlich ihr besonderes literarisches Talent. Wenn Sin Saimdang, die Mutter des bekannten Joseon-Gelehrten Yi Yul-gok die sprichwörtliche “Frau, die man heiraten möchte” war, dann war Hwang Jin Yi die “Frau, mit der man vorher ausgehen möchte“ (oder nachher, je nachdem was die Gesellschaft zuließ). Wer könnte schließlich Zeilen wie der folgenden widerstehen:
Angesehener Byuk Kye-soo, rühme Dich nicht des frühen Abschiedes
Wenn Du Dich erst einmal auf die offene See gewagt hast,
ist es schwierig zurückzukehren.
Der volle Mond über dem leeren Berg, wie ware es heute nacht hier zu ruhen.
Wenn Helena von Trojas Flanke tausend Schiffe veranlasste, so veranlassten Hwangs Ruf und ihre sijo (Dreiversgedichte) tausend Novellen, filme, TV-Serien und Werbungen. Dies wurde nie deutlicher als jetzt, wo Hwang nicht nur das Thema eines großen Films ist, sondern auch eines populären TV-Dramas mit der berühmten Schauspielerin Ha Ji-won in der Hauptrolle, das Ende letzten Jahres auf KBS ausgestrahlt wurde.

Aber mit dem bevorstehenden Release der Filmversion von Hwang Jin Yi, kann es sein, dass diese Unterhalterin aus ärmlichen Verhältnissen zum Gesicht wird, das half die beiden Koreas – getrennt in Ideologie und Geschichte seit 1945 – einander wieder näher zu bringen.

Changs Hwang Jin Yi basiert auf einer Novelle von Hong Suk-jung, dem Enkel des berühmten Schriftstellers Hong Myong-huis, Autor der sich großer Beliebtheit erfreuenden Im Kkok-jong-Novellenreihe, der nach der Befreiung Koreas von japanischer Kolonialherrschaft nach Nordkorea überlief. Genau wie diese Novellen selbst, repräsentiert auch das erstmalige Anerkennen des Copyrights des Nordens auf dieses Werk im 2005 einen großen Fortschritt in den interkoreanischen Beziehungen, ebenso wie die erstmalige Auszeichnung eines nordkoreanischen Werks, Hwang Jin Yi, mit dem anerkannten südkoreanischen Literaturpreis Manhae (was den 64-jährigen Autor jedoch nicht abhielt einen südkoreanischen Verleger wegen Copyrightverletzungen zu verklagen).
Hongs Novelle und schließlich auch Changs Film – zeigen Hwang Jin Yi in einem Licht, das ein ganz anderes ist als das, das die meisten Südkoreaner kennen. Im Süden liegt das Augenmerk auf Hwang als Künstlerin und Kurtisane, mit spezieller Aufmerksamkeit für ihre Romanze mit dem großartigen Gelehrten aus dem 16. Jahrhundert, Seo Gyeong-deok. Hong und Changs Hwang Jin Yi jedoch, behandeln diese Beziehung mit Seo nur als kurzes Zwischenspielen in einem Leben viel höherer Bedeutung, in einer Welt voll von Klassen- und Geschlechtsschranken. Sie ist eine Frau – Hongs Beschreibung zufolge – die freiwillig das Leben einer Sklavin (was Gisaeng damals rechtlich waren) dem als Edelfrau vorzog und deren wahre Liebe nicht Teil der mächtigen aristokratischen Elite war, sondern ein Sklave von niedriger Geburt. Für Hong war Hwang mehr als nur eine Kurtisane und Sexsymbol – sie war eine Sozialrevolutionärin. Um diesen Film zu machen, entschloss sich Chang neue Pfade zu gehen. Ein bisher nie da gewesenes Ausmaß an Kooperation auf beiden Seiten der DMZ war nötig, um diesen Film zu produzieren. Im Jahr 2003 trat Siz Entertainment offiziell an Hong mit dem Plan die Novelle zu verfilmen heran. Chang arbeitete sehr eng mit Hong zusammen und fuhr sogar nach Pyongyang – immer noch nicht einfach für Südkoreaner – um sich mit Hong im Juni 2006 zu treffen und seinen Willen zum Ausdruck zu bringen, nah am Vorbild des Autors zu bleiben. Durch Hyundai Asan und Nordkoreas offizielle interkoreanische Kooperationsorganisation, arbeitete Chang unermüdlich, um Teile des Films in Nordkorea drehen zu lassen und schließlich wurden tatsächlich Szenen im Geumgang-Gebirge gedreht. Szenen, die jedoch in Kaesongs berühmten Pakyon-Wasserfällen gedreht werden sollten, mussten aufgrund der politischen Verwerfungen in Folge des nordkoreanischen Atomtests woanders gedreht werden.

Im April aber, sagten Offizielle, die mit dem Film zu tun hatten, dass die Produzenten im Stillen die Nordkoreaner zu überzeugen versuchen, eine Vorschauvorführung in der nordkoreanischen Stadt Kaesong durchzuführen.
Bis heute gab es keine Antwort der Nordkoreaner, aber sollten sie zustimmen, wäre Hwang Jin Yi erst der zweite Film, dem dies erlaubt wurde. Der erste Film war „Arirang“, der 2002 und 2003 in Pyongyang gezeigt wurde.
Internationales Interesse
Nicht nur in Süd- und Nordkorea erzeugt Hwang Jin Yi Interesse, es bekommt auch Aufmerksamkeit vom Rest der Filmwelt.

Mit nichts als einem englischsprachigen Filmposter, schafften die Produzenten einiges Interesse auf dem diesjährigen Berlinale European Film Market hervorzurufen. Auch ohne Unterstützung eines Trailers, erzielte der Film Vorverkäufe von Hochburgen der Koreanischen Welle wie z.B. Malaysia, Singapur, Thailand und Vietnam.

Der Film – diesmal mit einem 3-minütigen Trailer als Vorschau – erzielte auch gute Reaktionen auf dem Hong Kong Film Market im März.
Noch wichtiger, Co-Produzent Cine2000 teilte der einheimischen Presse mit, dass europäische Filmoffizielle gesagt hätten, der Film sei lange in Cannes beraten worden. Alternativ plane man mit einem Platz im Filmfestival Venedig im August für die internationale Premiere.
Song Hye-kyo verwandelt
Hwang Jin Yi ist nicht die einzige, die einen Imagewandel durch den Film erfährt. Die Hauptrolle wird gespielt von Song Hye-kyo, einer talentierten jungen Schauspielerin, die durch ihre vielen Rollen im koreanischen Fernsehen bekannt wurde. Bis jetzt war ihr Image das eines süßen Mädchens – Betonung liegt auf süß – aber ganz sicher nicht das einer willensstarken, charismatischen, hochklassigen Kurtisane, die es darauf anlegt alle gesellschaftlichen Schranken zu brechen. Songs Verwandlung von einem einfachen Mädchen zu einer richtigen Frau, ist sehr wahrscheinlich das Hauptinteresse für viele Südkoreaner, die auf den Film warten. Dazu sagt der Präsident von Cine200, Lee Chun-yeon: „Songs Verwandlung war so riesig, dass es mysteriös ist...Sie schmiss ihren Körper und ihre Seele für ein Jahr in diesen Film und änderte dabei alles, vom Klang ihrer Stimme bis zu ihrem Auftreten“

Ebenfalls eine Rolle im Film spielt Yoo Ji-tae, ein steigender Stern am Horizont, der international vor allem für seine Rolle in Park Chan-wooks „Old Boy“ bekannt ist und als bestangezogener Schauspieler auf den vierten Korea Fashion World Awards ausgezeichnet wurde. Verwandlungen sind, was Yoo ausmacht, ein ehemaliges Teilzeitmodel, der aber genauso Regie führt und Kurzfilme und Theaterstücke produziert. Yoo spielt die Rolle des Nomi, dem Diener, der Hwangs erste Liebe ist.
Artikel mit freundlicher Genehmingung von SEOUL magazine
Datum 28-09-2007

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